Dirk Orlishausen
Bild: Caro Reisenauer
KSC-Keeper Orlishausen: "Der Misserfolg lag nicht an den Trainern"
Karlsruhe
27.04.2017 07:00
Dirk Orlishausen kennt das Gefühl, wenn man absteigt. Der Keeper und Kapitän des Karlsruher SC war schon 2012 dabei, als die Badener den schweren Gang in die dritte Liga antreten mussten. Jetzt steht der KSC wieder vor dem Abstieg. "Orle" leidet unter der Situation - findet aber auch klare Worte.

Herr Orlishausen, haben Sie die 0:4-Klatsche in Sandhausen verdaut?

Ich habe mich schon vorher mit dem Gedanken befasst, dass der Abstieg konkret werden könnte. Deswegen konnte ich dieses Spiel in Sandhausen etwas leichter abhaken. Da gab es zuvor Situationen, zum Beispiel das Stuttgart-Spiel oder die Partie gegen Heidenheim, die für mich schwieriger waren. Heidenheim war für mich der Knackpunkt, danach habe ich zu mir gesagt: "Jetzt wird es mehr als eng."

Das war es dann wohl in Liga zwei. Jetzt heißt es für den KSC: "Dritta Liga, wir kommen". Oder?

Davon müssen wir ausgehen. Nach dem Spiel gegen Heidenheim war ich total niedergeschlagen. Da haben wir richtig viel investiert, waren besser als der Gegner, haben unsere Chancen nicht genutzt, eine Schwäche gezeigt und da dann das Gegentor kassiert. Das war ein Tiefschlag in Sachen Glauben an den Klassenerhalt.

Ihnen unterlief in Sandhausen vor dem 0:1 ein Fehler. Sie säbelten über den Ball. Woran lag es? Zu viel Druck? Oder war es ein Platzfehler?

Es war ein Fehler von mir. Ich habe es selbst noch nicht gesehen, aber mit unserem Torwarttrainer Kai Rabe darüber gesprochen. Er hat Zeitlupen angeschaut. Ich habe wohl den Ball mit dem Standbein ein wenig so unglücklich berührt, dass ich mit dem Schussbein über den Ball geschlagen habe.

Das war symptomatisch für uns, für unsere Situation. Wir kommen gut ins Spiel, bekommen durch meinen Fehler ein Gegentor. In dieser Saison wurde jeder Fehler von uns mit einem Gegentreffer bestraft. Wir rennen dem Rückstand hinterher, werden hektisch, unruhig, dann ein erneuter Fehler - und es folgt das 0:2. Da war der Ofen aus.

Ist es nicht einfach so, dass diesem Kader die Qualität für die zweite Liga fehlt? Zum Beispiel in der Offensive: 21 Tore in 30 Spielen sind ein unterirdischer Wert.

Wenn man die Werte, die Tore, Gegentore sowie die Tabelle sieht, dann hat man kaum Gegenargumente. Eigentlich ist die Qualität da, aber wir haben es nicht als Mannschaft geschafft, unsere Stärken kontinuierlich einzubringen. Wir sind schlecht in die Saison gestartet, hatten dann vier Trainer.

Was die Trainer angeht, muss man sich eingestehen: Wenn vier Trainer da sind, wenn man da keinen Erfolg hat, dann kann es nicht an den Trainern liegen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Dieses Jahr sind auf Mannschaftsebene viele Fehler passiert, die in den Jahren zuvor nicht passiert sind.

Und welche Fehler waren denn das?

Das besprechen wir intern mit der Mannschaft. Das müssen wir bearbeiten und verarbeiten. Vor allem müssen wir daraus lernen. Ich habe den jungen Spielern gesagt, dass das Erfahrungen sind, die heftig sind, dass wir richtig auf die Fresse bekommen - aber auch, dass sie versuchen müssen daraus zu lernen. Wenn man das verarbeitet hat, dann ist man gestärkt. Dann weiß man, wie man sich zu verhalten hat, wie man mit schwierigen Situationen umzugehen hat.

Spielt Dirk Orlishausen in der dritten Liga für den KSC?

Wenn der Verein das wünscht, werde ich weiter für den KSC spielen. Ich habe noch einen Vertrag und ich halte meine Verträge immer ein. Ich werde nicht den Transfermarkt abgrasen.

Am Samstag geht es im Südwestderby gegen den 1. FC Kaiserslautern. Da geht es doch mehr um Ehre und Moral als um Punkte.

Eindeutig. Wir müssen versuchen die Ehre, die wir wohl nicht mehr ganz retten können, zumindest etwas zu retten. Ehre und Stolz muss sich im Spiel gegen den FCK niederschlagen. Wir müssen die letzten Spiele professionell angehen. Im Training, in der Vorbereitung und im Spiel.

Ich möchte nicht mein Leben lang darauf angesprochen werden, dass wir wegen einer schlechten Leistung das Rennen um den Titel oder den Abstieg mitentschieden haben. Ich will mir da nichts nachsagen lassen. Auch nicht, dass ich nur noch gehofft hätte, dass alles rum ist. Ich will ein bisschen Ehre zurückholen, will alles geben, um mit einem Erfolg in die Pause zu gehen. Ich werde in der Kabine an den Stolz und die Ehre jedes einzelnen appellieren.

Marc-Patrick Meister soll den KSC auch in der dritten Liga trainieren. Komischerweise hat er noch keinen Vertrag unterschrieben. Was halten Sie von ihm?

Die Trainerthematik generell zu beurteilen, steht mir nicht zu, dazu habe ich nicht den Status. Ich kann nur sagen: Jeder Trainer, der diese Saison hier war, hat gute Arbeit geleistet, jeder hatte Fußballsachverstand. Der Misserfolg lag nicht an den Trainern. Ich bin überzeugt, dass wir mit Marc Meister als Coach eine starke Truppe für die nächste Saison aufbauen können. Er machte bisher einen richtig guten Job.

Die Fragen stellte Peter Putzing. 

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