Dirk Orlishausen
Dirk Orlishausen
Bild: Caro Reisenauer
KSC-Kapitän Orlishausen vor Pokalspiel: "Es fehlt noch etwas Abstimmung"
Karlsruhe
17.08.2016 07:00
Schneller als erwartet kehrt Dirk Orlishausen ins Tor des Karlsruher SC zurück. "Orle", der von Trainer Tomas Oral zum Kapitän bestimmt wurde, ersetzt am Samstag beim Pokalspiel gegen 1860 München den am Knie verletzten René Vollath. Brisant: Orlishausen wurde lange und heftig von den "Löwen" umworben, sollte in der Hauptstadt Bayerns die Nummer eins zwischen den Pfosten werden. Mit Orlishausen, der am vergangenen Montag 34 Jahre alt wurde, sprach Peter Putzing.

Herr Orlishausen, die zwei zurückliegenden Wochen waren ein Wechselbad der Gefühle. Erst zum Kapitän ernannt und damit im Prinzip Stammkeeper. Dann der Patzer gegen Derby County - und raus aus der Startelf. War das so okay? Haben Sie das verarbeitet?

Nach dem letzten Jahr habe ich mich nicht als Stammspieler gefühlt. Aber ich gehe immer voll motiviert in eine Vorbereitung, egal ob ich zuvor spielte oder nicht. Es beginnt immer wieder bei null. Also gab es kein Wechselbad der Gefühle und nichts groß zu verarbeiten…

Aber wenn man zum Kapitän ernannt wird, geht man doch davon aus, dass man spielt... Und dann ein Patzer - und Ende.

Das ist ein Trugschluss. Ich bin null-komma-null davon ausgegangen, dass ich spiele. Es war bis zum Ende offen und es gab keine Tendenzen. Daran hat auch die Kapitänsbinde nichts geändert. Die Ernennung zum Kapitän kam für mich überraschend, weil der Trainer früher nie einen Torhüter ausgewählt hatte. Jetzt kamen mit René und mir gleich zwei Torhüter in den Kapitänskreis. Es hatte gut funktioniert und der Trainer wollte Gutes beibehalten. Ich habe es gerne angenommen und mache meine Arbeit so wie bisher.

Aber nochmals: Ein Patzer und raus. Ende. Das nehmen Sie so gelassen hin?

Ich habe in den letzten Jahren an Ruhe und Erfahrung dazu gewonnen. Zudem: Es war ein Fehler von mir gegen Derby County. Der war sehr ärgerlich, denn zuvor habe ich lange Zeit fehlerfrei gespielt. Dass der Fehler ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt passierte – bitter für mich.  

Aber: Es ist fast unmenschlich: So lange so fehlerfrei gespielt zu haben und dann nach nur einem Missgeschick raus…

So ist der Fußball. Das gehört zu meinen Job als Torhüter. Da kann ein Fehler vieles von vorher zunichte machen. Aber: Das wird mich nicht aus der Bahn werfen. Ich weiß, ich bin nicht der einzige Mensch auf der Welt, der Fehler macht. Ich bin da nicht verbissen oder engstirnig.

Wie sieht Ihr Verhältnis zu Vollath aus? Immer noch gut?

Klar, es ist wie vorher. Daran hat sich nichts geändert, dadurch dass er im Tor stand und ich auf der Bank saß. René macht seinen Job so gut es geht, der Trainer hat sich für ihn entschieden - so ist es.

Jetzt ist René Vollath verletzt und Sie kehren zurück.

Ich hoffe, dass er nicht schwerer verletzt ist. Aber dass ich gegen 1860 München im Pokal spiele, war bereits vorher abgesprochen…

Seit wann?

Als mit der Trainer mitteilte, dass er sich für René entschieden hat, sagte er mir, dass ich im Pokal ran darf. Ich versuche mich auf das Spiel und nichts anderes zu konzentrieren.

1860 München wollte Sie verpflichten. Ist die Partie daher etwas Besonderes?

Nein. Die Vergangenheit ist vorbei. Ich beschäftige mich nicht mit "hätte, wäre, wenn".

Ist ein Routinier wie Sie noch bei einem derartigen Comeback nervös?

Nein, es kommt irgendwann die normale Anspannung. Ich freue mich darauf und je näher das Spiel kommt, umso größer wird das Kribbeln. Aber Nervosität? Nein.

Das Ziel ist klar: Die nächste Runde erreichen.

Sicher. Es wartet ein tolles Stadion auf uns, ich hoffe auf viele Zuschauer und dann werden wir alles dafür tun, dass wir die nächste Runde erreichen. Wie wichtig das für den Verein wäre - das muss ich nicht erklären. So werden wir auftreten und gierig auf den Sieg und das Weiterkommen sein. Wir haben noch Luft nach oben im Zusammenspiel, stehen aber defensiv gut. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir bestehen. 

Der KSC spielte in der Liga zweimal remis. Sie sagen, im Zusammenspiel ist noch Luft nach oben.Wie schätzen Sie die Leistungen bisher insgesamt ein?

Dass noch Luft nach oben ist - das ist so. So ehrlich muss man sein und das zugeben. Gegen Bochum war es in der zweiten Halbzeit schon wesentlich besser. Es fehlt noch etwas die Abstimmung, aber das wird immer mehr greifen. Ich bin zuversichtlich, dass es aufwärts geht. Denn: Die Qualität, die wir über Jahre in der Defensivarbeit aufgebaut haben, die ist da. Das ist ein ganz wichtiger Baustein, den wir bisher in jedem Spiel bestätigten. Wir haben kaum Gelegenheiten zugelassen. Jetzt können wir mutiger nach vorne sein, auch wenn wir in den Schlüsselpositionen etliche neue Spieler haben.

 

Figueras, Kom und Kinsombi sind neu - allesamt Defensivakteure. Ist das ein Problem für Sie?

Wir kennen uns aus dem Training, mit Figueras habe ich da oft in einem Team gespielt. Da wir alle ganz ordentlich englisch sprechen, gibt es auch keine sprachlichen Probleme. Ich habe Vertrauen in unsere Spieler und ich kann mit jedem spielen. Jeder hat Vorlieben, die kennt man, denn wir trainieren seit Wochen zusammen - das passt. Das hat man gegen Bochum gesehen - obwohl die Elf umgestellt werden musste, hat es gut geklappt. 

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