Dirk Orlishausen
(Archivbild)
Bild: Caro Reisenauer
KSC-Kapitän Orlishausen mahnt: "Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos"
Karlsruhe
20.10.2016 07:00
Er ist der Kapitän des Karlsruher SC: Dirk Orlishausen. Doch in dieser Saison mutierte "Orle" von der Stammkraft zum Notnagel. Der erfahrene Torwart versucht die Situation gelassen hinzunehmen, wie er im Gespräch mit Peter Putzing versichert.

Herr Orlishausen, für Sie gleicht die Saison bisher einer Achterbahnfahrt, oder?

Das kann man so sehen. Ich hatte eine sehr gute Vorbereitung, dann passierte ein Fehler zur Unzeit im letzten Testspiel. Der kostete mich den Stammplatz. Aber ich bin keiner, der aufsteckt, ich habe immer weiter gearbeitet. Dann bekam ich das Pokalspiel und musste danach für René einspringen, weil er verletzt war. Das ist meine Aufgabe.

Das heißt: Ihre Aufgabe ist es einzuspringen, trotz der guten Leistungen? Damit sind Sie zufrieden?

Der Trainer hat sich auf René festgelegt. Meine Aufgabe ist es, da zu sein, wenn man mich braucht. Ich werde weiter meinen Job machen, werde weiter alle unterstützen. Nochmals: Mein Job ist, bereit zu sein und Leistung zu zeigen, wenn man mich braucht. Und das bin ich.

Aber: Torhüter sind speziell. Rein, raus – rein, raus. Das verunsichert doch mehr als es Selbstvertrauen gibt.

Ich bin so lange dabei, mich verunsichert das nicht. Ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dass Fehler passieren, das ist nun mal so. Der Fehler im Testspiel wird nicht der letzte in meiner Karriere sein - aber das wirft mich nicht aus der Bahn. Auch nicht die Bank. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Der Einzige, dem ich etwas beweisen muss - das bin ich selbst. Ich will mir zeigen, dass es so lange wie möglich gut geht.

Nach den Spielen gegen Aue und in Düsseldorf dachte man, das Team hätte an Stabilität gewonnen. Gegen Nürnberg waren wieder die alten Fehler da. Zu wenig Laufeinsatz, zu schlechte Zweikampfbilanz, keine Ideen in der Offensive, kaum gelungene Kombinationen. Wie kann das passieren?

Das Ergebnis spricht eine klare Sprache. Aber wenn man detailgenau hinschaut, sieht an, dass wir bis zum 0:1 ebenbürtig waren. Nürnberg war etwas technisch versierter, am Ball besser. Aber wir standen gut, die hatten kaum Torschüsse. Dann verschießen wir den Elfmeter. Den und das 0:1 hätten wir weggesteckt. Für mich war der Knackpunkt, dass das zweite Tor so schnell gefallen ist. Da haben einige gesagt: Das wird heute nichts mehr. Dann haben wir die Ordnung verloren.

Das heißt konkret?

Wir haben nicht mehr gemeinsam attackiert, gemeinsam abgewartet. Einer ging drauf, der andere kam zu spät. Da haben wir unser Spiel verloren, waren ab diesem Moment viel zu leicht auszuspielen.

Man merkt: Gerät die Defensive unter Druck und spielt der Gegner schnell - dann kassieren die Karlsruher Tore. Siehe Union Berlin, siehe Nürnberg...

In Berlin wollten wir noch anders, offensiver, spielen. Gegen Aue und Düsseldorf haben wir gezeigt, dass es nur zusammen geht, nur so Erfolg gibt. Wir hatten Chancen, haben die Ordnung gehalten. Das war anfangs der Saison nicht so und jetzt gegen Nürnberg leider auch wieder. Wenn einer aus der Reihe tanzt, der nächste etwas zu spät kommt – dann kassieren wir eben diese Tore. Dann bekommen wir nicht nur gegen Nürnberg, sondern gegen jede andere Mannschaft Probleme. Darauf müssen wir unser Augenmerk legen. Und: Wir müssen nach Rückschlägen versuchen Ordnung zu halten, sauber durchzuspielen.

Die Bilanz ist schwach: Ein Sieg aus neun Begegnungen. Warum sollte es denn in Würzburg besser werden?

Viele dachten, es würde nach den zwei Spielen zuletzt alles besser. Ich war nicht so naiv zu denken: Jetzt rennen wir alles in Grund und Boden. Aber, es ist nicht so düster. Wir sind gewarnt: Es kann sehr dunkel werden, wenn wir keine Ergebnisse erzielen. Die Lage ist ernst aber nicht aussichtslos. Wir müssen analytisch schauen, warum wir die Ordnung verloren haben. Dann sehen, dass es so nicht funktioniert. Daraus lernen, dann holen wir Punkte.

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