Bild: Carolin Reisenauer
KSC-Coach Slomka: "Ich mag es, unter Druck gesetzt zu werden"
Karlsruhe
10.01.2017 07:00
Seit Ende des vergangenen Jahres ist Mirko Slomka der neue Cheftrainer des Karlsruher SC. Aktuell befindet er sich mit dem Team im Trainingslager im spanischen Estepona. Welchen Eindruck hat der neue Coach von seiner Mannschaft?

Mirko Slomka ist im Moment der einzige Trainer in der 2. Liga, der schon zwei deutsche Clubs trainierte, die an internationalen Wettbewerben teilnahmen. Mit dem FC Schalke 04 war er in der Champions League erfolgreich. Hannover 96 führte der 49-Jährige aus der der Abstiegsregion der Bundesliga in die Euro-League. Doch ehe er jetzt beim Karlsruher SC anheuerte, hatte Slomka zwei Jahre keinen Job. Mit Slomka sprach Peter Putzing. 

Herr Slomka, im Moment prasselt enorm viel auf Sie ein, Termin folgt auf Termin. Der Grund: Sie sind der Star unter den Zweitliga-Trainern.

Das sehe ich überhaupt nicht so. Es gibt in dieser Liga ganz viele Trainer, die in der ersten Liga gearbeitet haben, dort einen guten Job abgeliefert habe und jetzt in Liga zwei tätig sind. Man denke an St. Pauli, Union Berlin oder auch an den 1. FC Kaiserslautern.

Ich freue mich, dass die Euphorie über meine Verpflichtung bei den Fans so groß war. Das konnte man beim ersten Training sehen. Rund 600 begeisterte Fans, die uns mit viel Vorfreude, aber auch viel Gelassenheit zugeschaut haben.  

Sie haben bisher Clubs trainiert, die international für Furore sorgten. Jetzt der Wechsel zum 15. der zweiten Liga. Ist das ein Karriererückschritt?  

Es ist ein Neuanfang. Es ist sehr spannend, beim KSC zu arbeiten. Und: Ich will beweisen, dass ich auch Zweite Liga kann. Ich habe bewiesen, dass ich Mannschaften vor der zweiten Liga retten kann. Es war schwierig und eng. Ich habe Erfahrung im Abstiegskampf und die ist jetzt gefragt.

Vielleicht ist aber auch gefragt, dass Sie den KSC vor der zweiten Liga retten -  und in die erste Bundesliga führen?

Das wäre schön, kann man aber so schnell nicht erwarten. Doch wenn wir alle ein Team bilden, dann ist einiges möglich. 

Sie sprachen die Euphorie, die sie erzeugt haben, an. Haben Sie so etwas erwartet?  

Ich hatte keine Erwartungen. Ich wusste nicht, wie die Fans darauf reagieren. Natürlich habe ich schon ähnliches in anderen Clubs erlebt, und ich freue mich, dass es Aufbruchstimmung gibt. Es ist toll, dass uns die Fans unterstützen wollen. Die Mannschaft hat das sehr wohlwollend aufgenommen. In der Kabine wurde gesagt: "Toll, so etwas haben wir noch nicht erlebt." Ich meine: Das kann ruhig öfters vorkommen. Und dazu brauchen wir Punkte. 

Sportdirektor Oliver Kreuzer wäre zufrieden, wenn der KSC am Ende der Saison Rang 15 belegen würde. Sie auch?  

Das ist unser Ziel: Klassenhalt. Es wird sicher nicht sehr schnuckelig, sich die ganze Zeit in dieser Region zu bewegen, aber es ist und bleibt unser Ziel, die Liga zu halten. 

Es scheint so, dass alle Fans sicher sind: Mit Slomka wird der Klassenerhalt kein Problem. Ist das gefährlich?

(lacht) Ich mag es, unter Druck gesetzt zu werden. Zum Klassenerhalt: Die Mannschaft ist in einer guten Verfassung. Wir arbeiten daran, dass es noch besser wird. Was wir ganz deutlich machen müssen: Die zweite Liga ist in allen Teilen der Tabelle richtig eng. Nach oben, nach unten und in der Mitte. Wir wollen hinten raus. Und dazu brauchen wir einen sehr langen Atem. In den Spielen müssen wir in den entscheidenden Minuten besser sein. Dafür arbeiten wir - auch im Trainingslager - akribisch.  

Auch Sie verbreiten Zuversicht, schon in Ihrer ersten Pressekonferenz. Worauf basiert die?  

Ich habe in der Pressekonferenz auch gesagt, dass ich in den Gesprächen einen sehr guten Eindruck vermittelt bekam. Von Oliver Kreuzer, den ich sehr schätze und gut kenne, aber auch von Präsident Ingo Wellenreuther und den Vizepräsident Günther Pilarsky.

Zudem waren die Gespräche mit Kandidaten für den Trainerstab, zum Beispiel mit Marc Meister, der von der U17 nach oben kommt, sehr interessant. Daher bin auch ich etwas euphorisch. Es macht hier großen Spaß. Wir werden jetzt Schärfe ins Training bringen, um konstant gute Leistungen zu erarbeiten. 

Sie haben sich vor Ihrer Zusage ganz sicher über den KSC informiert. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Halbwertszeit der vier von diesem Präsidium extern verpflichteten Trainer im Durchschnitt weniger als ein halbes Jahr beträgt?  

Das will ich aber unbedingt nach oben schieben. 

Wussten Sie davon? Denken Sie daran?

Ich wusste das nicht, das hat mich jetzt sehr überrascht. Aber das beschäftigt mich nicht. Mit aller Vorsicht haben wir nur einen Vertrag über eineinhalb Jahre geschlossen. Damit wir uns beschnuppern können, damit ich merken kann, dass die guten Gespräche auch auf einem guten Fundament basieren. Das ist für mich ein wichtiger Aspekt. Denn ich will nach dieser Zeit, wenn wir es geschafft haben in der zweiten Liga zu bleiben, eine Vision haben.

Die da heißt: Aufstieg in Liga eins?  

Zunächst in höhere Regionen der zweiten Liga einsteigen. Dafür müssen die Verantwortlichen einiges tun. Es reicht nicht zu glauben, dass wir mit einem neuen Stadion mehr finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung haben, sondern wir müssen mit den momentanen Gegebenheiten den Sprung nach vorne machen. Meine Aufgabe ist es nicht: Friede, Freude, Eierkuchenstimmung zu verbreiten. Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe und dass auch einige Dinge intern verändert werden müssen. 

Sie haben das Trainerteam umgebaut. Unter welcher Prämisse ist das erfolgt?  

Zunächst: Ich bin Teamplayer, das erwarte ich auch von meinen Mitarbeitern. Ich wollte einen Co-Trainer, den ich kenne. Mit Zlatan Bajramovic habe ich in Schalke zusammengearbeitet, als er dort mein Spieler war, danach in Hamburg, als er mein Assistent war. Ich habe seine positive Verrücktheit genossen, auch seine Akribie.

Dann wollte ich den Kontakt zum Nachwuchs intensivieren. Daher kommt Marc Meister ins Trainerteam. Er kennt als Trainer des U17-Bundesligateams den Nachwuchs. Er ist bei den Trainingseinheiten am Morgen dabei und bei den Spielen, wenn die Termine nicht mit denen seiner Mannschaft kollidieren. Er kann uns bei der Eingliederung der Talente helfen.

So haben wir den direkten Kontakt zu den Talenten. So wollen wir den Nachwuchs, auch mit regelmäßigen zusätzlichen Einheiten, noch mehr fördern. So wollen wir die geringeren finanziellen Möglichkeiten ausgleichen. Schon ins Trainingslager kommen zwei Talente mit. Marcel Schmitt (U 19) und Malik Batmaz (U 17). 

Sie studierten Videos von KSC Spielen und haben inzwischen einige Trainingseinheiten geleitet. Wo besteht im Kader Handlungsbedarf? Für welche Positionen sollten Neuzugänge verpflichtet werden?  

Sie verstehen, dazu kann ich noch nichts sagen. Da muss ich mir ein genaueres Bild von der Mannschaft machen. Ich habe schon bemerkt, dass der eine oder andere Spieler im Tempo, in der hohen Belastung Schwierigkeiten bekommt. Aber die können sich ja durchaus adaptieren. Darauf hoffe ich. Ich habe sehr gute Ansätze gesehen. Darüber freue ich mich. Ansonsten: Abwarten. 

Bei wem sahen Sie gute Ansätze?  

Auch dazu werde ich nichts sagen. Es geht für das Trainerteam darum, eine Mannschaft zu formen, die in der Liga bestehen kann. 

Bekannt ist, dass der KSC Interesse an Jonas Meffert hat. Aber der SC Freiburg will ihn nicht abgeben. Ist da das letzte Wort gesprochen?  

Dass Freiburg ihn gerne behalten würde, zeigt, dass Jonas ein guter Junge ist. Christian Streich weiß das natürlich genau, auch wenn Jonas bisher wenig Einsatzzeiten hat. Aber Streich weiß auch, dass Jonas am Ende der Saison, wenn es Ausfälle gibt, wichtig werden kann. Dennoch werden wir weiterhin um Meffert kämpfen, werden jede Chance nutzen. Allerdings sieht es im Moment nicht so gut aus. 

Sie sagten auf die Frage, was für Sie die größte Neuigkeit und Überraschung hier wäre: die Sprache im Badischen. Wurde es schon verständlicher?  

Es wird einfacher, aber ich glaube nicht, dass ich alles übernehme, da würde mich dann meine Frau auch nicht mehr verstehen.

Welche Assoziation hatten Sie vor dem Wechsel zum KSC, wenn Sie an Baden dachten?  

An den Wildpark. Da habe ich bei einer Spielbeobachtung im Stadionbereich wie verrückt einen Parkplatz gesucht, den dann irgendwo zwischen den Bäumen gefunden. Zu meiner Überraschung stand mein Auto auch nach dem Spiel noch dort, wurde nicht abgeschleppt. Ich hatte schon damit gerechnet, mich mit dem Polizeipräsidium in Verbindung setzen zu müssen. 

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